Arbeitergeber – Kündigung

Was ist eine ordentliche Kündigung?

In vielen Fällen schließen die Parteien ein Arbeitsverhältnis, ohne dessen Ende bereits festzulegen. Ein solcher unbefristeter Vertrag endet durch eine ordentliche Kündigung nach dem Ablauf der vorgeschriebenen Kündigungsfrist.

Anders ist das bei einem befristeten Arbeitsverhältnis:  Eine ordentliche Kündigung ist nicht vorgesehen, sondern das Arbeitsverhältnis endet mit dem Ablauf des Vertrages. Im Arbeitsvertrag kann die Möglichkeit der vorzeitigen ordentlichen Kündigung allerdings vereinbart werden.

Um ein Arbeitsverhältnis ordentlich zu kündigen, muss die Kündigungsfrist eingehalten werden. Teilweise gelten für Arbeitgeber längere Fristen als für Beschäftigte, denn Arbeitnehmer gelten allgemein als schutzwürdiger. Da sie wirtschaftlich abhängig sind, trifft eine Kündigung sie meist härter als den Arbeitgeber.

Welche Kündigungsfrist muss der Arbeitgeber einhalten?

Das Gesetz sieht vor, dass Arbeitgeber die Grundkündigungsfrist von vier Wochen zum 15. oder zum Ende eines Kalendermonats einhalten müssen.

Beispiel: Will ein Arbeitgeber will das Arbeitsverhältnis zum 31.05.2019 kündigen, so muss die Kündigung dem Arbeitnehmer spätestens am 03.05.2019 zugegangen sein (Wann gilt die Kündigung als zugegangen?).

Prinzipiell gilt: Je länger der Arbeitnehmer in dem Betrieb arbeitet, desto länger ist die Kündigungsfrist. Nach den gesetzlichen Bestimmungen ergeben sich folgende Mindestfristen:

  • 2 Jahre – ein Monat zum Ende des Kalendermonats
  • 5 Jahre – zwei Monate zum Ende eines Kalendermonats
  • 8 Jahre – drei Monate zum Ende eines Kalendermonats
  • 10 Jahre – vier Monate zum Ende eines Kalendermonats
  • 12 Jahre – fünf Monate zum Ende eines Kalendermonats
  • 15 Jahre – sechs Monate zum Ende eines Kalendermonats
  • 20 Jahre – sieben Monate zum Ende eines Kalendermonats

Es gab eine gesetzliche Regelung, nach der die Zeiten vor dem vollendeten 25.Lebensjahr nicht berücksichtigt wurden. Diese Vorschrift verstößt allerdings gegen Europarecht und darf nicht mehr angewendet werden.

Sobald ein Tarifvertrag im Spiel ist, kann es schwieriger sein die maßgebliche Kündigungsfrist herauszufinden.

Was ist das Günstigkeitsprinzip?

Es kommt vor, dass im Arbeitsvertrag oder im Tarifvertrag eine andere Regelung steht als die gesetzliche. Welche dieser Vorschriften gilt nun? Grundsätzlich gilt die für den Arbeitnehmer günstigere Regelung! Das bezeichnet man auch als Günstigkeitsprinzip.

Welche Frist muss ich einhalten, wenn ich selber kündigen möchte?

Laut der gesetzlichen Kündigungsfrist können Arbeitnehmer vier Wochen zum 15. oder zum Ende eines Kalendermonats kündigen.

Beispiel: Will ein Arbeitnehmer sein Arbeitsverhältnis zum 31.05.2019 kündigen, so muss die Kündigung dem Arbeitgeber spätestens am 03.05.2019 zugegangen sein.


Wichtig:
Grundsätzlich gelten die Verlängerungen der gesetzlichen Kündigungsfristen nur für Arbeitgeber. Eine Vereinbarung im Arbeitsvertrag, dass die Verlängerung der Fristen auch für den Arbeitnehmer gelten sollen, ist möglich.

Wie lange ist die Kündigungsfrist in der Probezeit?

Arbeitnehmer und Arbeitgeber können im Arbeitsvertrag eine Probezeit für maximal sechs Monate vereinbaren. Innerhalb der Probezeit kann das Arbeitsverhältnis von beiden Seiten mit einer Frist von zwei Wochen gekündigt werden. Diese Frist wird durch Tarifverträge in verschiedenen Branchen verkürzt.

Beispiele:

Baugewerbe:

  • bis 6 Monate Kündigungsfrist von 6 Werktagen

Friseurhandwerk:

  • bis 1 Monat Kündigungsfrist zum Schluss des nächsten Arbeitstages
  • bis zu 2 Jahren Kündigungsfrist von 2 Wochen zum Schluss einer Kalenderwoche

Maler und Lackierer:

  • bis 2 Wochen Kündigungsfrist von 1 Werktag
  • bis 6 Monate Kündigungsfrist von 6 Werktage

Reinigungsgewerbe:

  • bis 2 Wochen Kündigungsfrist von 1 Werktag
  • bis 6 Monate Kündigungsfrist von 2 Wochen

Wachschutz:

  • bis zu 6 Monaten Kündigungsfrist von 4 Tagen

Zeitarbeit:

  • bis 4 Wochen Kündigungsfrist von 2 Arbeitstage
  • bis 2 Monate Kündigungsfrist von einer Woche
  • bis 6 Monate Kündigungsfrist von 2 Wochen

Welche Kündigungsfristen gelten in der Insolvenz?

In der Insolvenz gelten die verlängerten Fristen für langjährige Mitarbeiter nicht mehr. Der Arbeitgeber muss nur eine Kündigungsfrist von maximal drei Monaten einhalten.

Beispiel: Ein Arbeitsverhältnis hat 20 Jahre bestanden. Nunmehr findet ein Insolvenzverfahren in Eigenverantwortung statt. Die Kündigungsfrist für den Arbeitgeber beträgt in diesem Fall nur drei und nicht sieben Monate zum Monatsende.

Wie berechne ich die Kündigungsfrist?

Mit dem Zugang der Kündigung fängt die Frist an zu laufen.  Fristen sind jeweils nach Tagen, Wochen und Monaten zu berechnen (mehr erfahren).

Unser Tipp: Wenn Sie als Arbeitnehmer schnell aus dem Vertrag wollen, sollten Sie die Kündigung zum frühstmöglichen Datum erklären. Gleichzeitig erklären Sie dann in dem Kündigungsschreiben, dass Sie „hilfsweise zum nächstmöglichen Zeitpunkt“ kündigen (Wie muss eine Kündigung aussehen?). So verschwenden Sie keinesfalls wertvolle Zeit.